Ein junger Mann mit kurzen rotbraunen Haaren, blaues Hemd und blaues Jackett, hält eine Violine vor der Brust. Es ist Geiger Adam Woodward.
Foto: Verena Brüning

Adam Woodward, Violine
Arsalan Abedian, Klangregie

Bahar Royaee: a hair on the skin of the water on the lake (2020)
Carola Bauckholt: Doppelbelichtung (2016)
Farzia Fallah: …und dann befreit…? (2009/10)
Stuart Wheeler: Letter from Edward to the Scientific Community thru the Mount Wilson Observatory (2021)
Peter Ablinger: Violinstück für Adam (2022)
Jack Sheen: Television Continuity Solos (2016/21)

Dauer ca. 65 Min.

Alte Fechthalle
Kultur in der Alten Fechthalle e.V., Geiststraße, Göttingen, Deutschland

12.09.2026 | 17:00
Göttingen
Alte Fechthalle

»Torn« | Musik 21 Festival

Adam Woodward

Stadtbilder begegnen Funkstille, Vogelrufe werden verdoppelt, verdoppeln sich erneut, und ruhige handgeschriebene Briefe bergen fiebernde Ideen über das Universum. Die Violine dient in diesem Konzert als Mittel der Meditation über Natur, Stille und das Brechen von Spannung – eine Befreiung von Klang und Gedanken. »Torn« findet persönliche Einsamkeit in verschiedenen Formen der Wiederholung, in musikalischer Statik, die zu Stille oder Lärm wird – je nachdem, ob das Publikum in sich hineinhorcht oder den Fokus verliert.

Das Programm: Eine kollektive Meditation

Die Violine präsentiert sich mal nackt und allein, mal verstärkt oder im Zusammenspiel mit elektronischem Audiomaterial mit einer Auswahl von Werken der Komponistinnen und Komponisten Bahar Royaee, Carola Bauckholt, Farzia Fallah, Stuart Wheeler, Peter Ablinger und Jack Sheen. Diese Stücke sind bisweilen wie zerlegte, in Klang übersetzte Gedichte – manche vokal, manche visuell, manche im Hals steckenbleibend, manche nachgeplappert von unseren tierischen Vettern und Cousinen. In dieser kollektiven Meditation beginnen wir zu fragen, ob ein Musikstück überhaupt für den öffentlichen Konsum gedacht ist. In »Torn« wird die Violine gestimmt und umgestimmt, sie agiert als Weise, Erzählerin, Botin, Schlichterin, während das Publikum behutsam zwischen summendem Licht und abstrakten Melodien tanzt.

»Was sind das für Zeiten?« – Das Musik 21 Festival 2026

Schweigen oder Schreien? Agieren, reagieren — aber wie? Oder wegschauen? Im Spannungsfeld zwischen Macht und Ohnmacht, zwischen Schrei und Stille, entfaltet das Musik 21 Festival 2026 sein Programm und greift Bertolt Brechts Frage auf: »Was sind das für Zeiten?« – eine Frage, die auch heute nichts an ihrer Aktualität verloren hat.

»Was sind das für Zeiten?«, schrieb Bertolt Brecht 1934 in seinem Gedicht An die Nachgeborenen und klagte an, dass ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen sei, weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließe. So reagierte er auf künstlerische Weise auf das Schweigen über die Untaten seiner Zeit, die unseren wohl ähnlich sind: Faschismus, Militarismus, Kriegs- und Vernichtungsbedrohung und nicht zuletzt eine hegemoniale Unempfindlichkeit. [Weiterlesen]